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Johanna Samuel, geb. Baum

*15.09.1879 in Herdecke als Tochter des Rottenführers David Baum und seiner Frau Rosalie, geb. Edelstein

verheiratet mit  dem Bergmann Siegfried Samuel, geb. 31.12.1878 in Schwerte, wohnhaft in Dortmund

letzter Wohnort der Familie Samuel in Dortmund: Deusener Str. 126

27.01.1942 Deportation nach Riga

 

 

Die Familie von David Baum hat wohl nur kurze Zeit in Herdecke gelebt. Als „Rottenführer“, d.h. als Leiter einer kleinen Gruppe von Bauarbeitern, wohnte er wahrscheinlich nur wegen eines größeren Bauwerks, an dem seine „Rotte“ länger beschäftigt war, in Herdecke. Möglicherweise war es der Bau der Bahnstrecke nach Dortmund, die ja 1879 eingeweiht wurde. Später findet sich die Familie in Dortmund.

Auch Johanna Baum bleibt mit ihrem Mann Siegfried Samuel in Dortmund. Sie bekommen drei Kinder, zwei Söhne, Artur (geb. 1906) und Dagobert (geb. 1908) und eine Tochter, Erna (Jg. 1923). Die Mutter arbeitet zeitweise als Köchin, der Vater hat im Bergbau seine Beschäftigung. Die Eltern werden mit der 17 jährigen Tochter Erna nach Riga deportiert, der ältere Sohn Arthur überlebt Theresienstadt und diverse Zwangsarbeitereinsätze. Der jüngere Sohn Dagobert kommt während des Krieges in Belgien ums Leben.

 

 

Geburtsurkunde von Johanna Baum (Quelle: StadtA Herdecke)

Foto des großen Saals der Gaststätte „Alte Börse“ in der Steinstraße in Dortmund, der als Sammellager für die zur Deportation vorgesehenen Juden diente. (Foto: StadtA Dortmund)

 

 

Aus bisher nicht bekannten Gründen wurde der Transport von Dortmund nach Riga, ursprünglich vorgesehen für den 12. Dezember 1941, auf den 27. Januar 1942 verschoben. Die Dortmunder Deportation wurde mit dem am selben Tage stattfindenden Transport von jüdischen Bürgern aus Gelsenkirchen und anderen Orten verknüpft.

Um die zu deportierenden Juden - auch aus umliegenden Städten und Orten des Regierungsbezirks Arnsberg - in Dortmund zusammenziehen zu können, hatte die Gestapo ein zentrales Sammellager - den großen Saal der Börse an der Steinstraße  - eingerichtet. Dort wurden den Ankommenden Geld und Wertgegenstände abgenommen.

Am 27. 1. 1942 , um 4 Uhr morgens, wurden die Menschen unter Bewachung von Gestapo und Schutzpolizei zu einem abgelegenen Gleisabschnitt getrieben und in ausrangierte, unbeheizte Waggons geschafft. Neben Johanna und Siegfried Samuel wurden ca. 300 andere Juden aus Dortmund nach Riga deportiert, der gesamte Transport umfasste ca. 1.000 Menschen.

Nach 4 Tagen Fahrt erreichte man den Bahnhof Skirotova, 4 km außerhalb von Riga gelegen. Einige Juden wurden schon dort auf dem Bahndamm erschossen, die anderen mussten in großer Kälte zu Fuß in das Rigaer Ghetto laufen.  

Weitere Informationen über Schicksal des Ehepaars Samuel und der Tochter Erna gibt es nicht, die Umstände ihres Todes bleiben ungeklärt. Laut Beschluss des Amtsgerichts von Dortmund vom 6. 9. 1951 wurde dass Todesdatum von Johanna auf den 31.12.1945,

24 Uhr festgelegt.

 

 

http://www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee/staedteliste-riga-komitee/dortmund.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Riga

https://archive.org/stream/maxkreutzberger_05_reel05#page/n1/mode/1up