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Sally Grünewald

*04.05.1887 in Waldkirmes/Koblenz als Sohn von Samuel und Johanna Grünewald, geb. Schlesinger

Ausbildung zum Kaufmann

1910 bis 1913 lebt er in Meinerzhagen und betreibt ein Wandergewerbe 20.03.1919 Zuzug von Winningen im Kreis Mayen-Koblenz nach Herdecke, wohnhaft bei Fischbach, Hauptstr. 72

25.03.1919 Heirat mit Paula, geb. Fischbach aus Meinerzhagen

Pächter des Geschäftes Speyer, Hauptstr.72

10.11.1938 Inhaftierung im KZ Sachsenhausen, mit dem Sohn Heinz bis zum 15.12. inhaftiert

Frühjahr 1939 Wegzug von Herdecke nach Köln, letzte Adresse in Köln: Hardefuststraße 8

07.12.1941 Deportation von Köln in das Ghetto von Riga

 

 

Über die Familie von Sally Grünewald ist kaum etwas bekannt. Er selbst hat wohl schon während seiner Zeit in Meinerzhagen die Familie Fischbach kennengelernt und gründet dann 1919 mit Paula Fischbach eine eigene Familie in Herdecke.

Nach der Heirat mit Paula Fischbach übernimmt er die Leitung des Geschäftes, Paula konzentriert sich auf die Erziehung des Sohnes Heinz (Jg. 1919). Die Grünewalds sind hochangesehene Bürger der Stadt Herdecke.

Nach 1933 ändert sich die Situation für die Familie. Das Geschäft bringt immer weniger ein. Sally verdient sich als Wandergewerbetreibender noch etwas dazu, bis ihm das 1938 verboten wird. In der sog. Kristallnacht am 9. November 1938 werden die Fensterscheiben eingeworfen, der Laden geplündert. Sally und sein Sohn Heinz werden festgenommen und über das Polizeigefängnis Dortmund in das KZ Sachsenhausen geschafft. Am 15. 12. 1938 werden sie dort entlassen.

Die Nationalsozialisten verbietenden Grünewalds die Weiterführung ihres Geschäftes, wodurch sie ihre Lebensgrundlage verliehren. Ein sog. Treuhhänder wickelt das Geschäft ab und überweist große Teile des Vermögens der Grünewalds an das Deutsche Reich.

Verzweifelt versucht die Familie, Deutschland zu verlassen. Aber lediglich der Sohn Heinz kann nach England einreisen, die Eltern finden kein Land, das sie als Flüchtlinge aufnimmt. Sie müssen im Nazi-Deutschland bleiben und ziehen von Herdecke nach Köln. Sohn Heinz geht nach dem Krieg in die USA und lebt dort bei dem Onkel Julius Fischbach und dessen Familie.Im Jahre 1954 begeht er aus tiefer depression Selbstmord.

 

 

Meldekarte der Stadt Herdecke (Quelle: StadtA Herdecke)

Auszug aus dem  „Adressbuch der Stadt und des Kreises Hagen 1925/26“, S. 83 (Quelle: StadtA Hagen)

Foto von Sally und Heinz Grünewald bei einem Ausflug mit den Nachbarn ca. 1930

(Foto: H.G. Saure)

In diesem Haus lebte und arbeitete die Familie Grünewald. Eigentümer des Hauses war Leopold Speyer, der das Geschäft zuvor selbst betrieben hat. (Foto: Willi Creutzenberg)

Feststellung über den angegebenen Wandergewerbeschein von Sally Grünewald

(Quelle: StadtA Herdecke)

Die Stolpersteine für die Paula, Sally und Heinz Grünewald vor dem Haus Hauptstr. 72

(Foto: W. Creutzenberg)

 

 

Im Oktober 1941 begannen in Köln die Deportationen der jüdischen Bürger in den Osten. Mit dem Schreiben der „Synagogengemeinde Köln“ vom 13. 11. 1941 wurden alle Kölner Juden auf die nächste Deportation eingestimmt. Die genaue Festlegung, wen es dieses Mal treffen sollte, erfolgte später. Sally Grünewald und seine Frau Paula wurden für die dritte Deportation bestimmt, die ursprünglich nach Minsk gehen sollte, aber kurzfristig nach Riga umgelegt wurde. Der Transport ging ab Bahnhof Deutz-Tief in alten Personenzügen der 3. Klasse und dauerte drei Tage. Die ca. 1000 Kölner Juden waren der erste Transport aus Deutschland, der tatsächlich in das Ghetto von Riga geschafft wurde. Die ankommenden Kölner stießen in den Straßen und Unterkünften auf die Spuren des unmittelbar vorher hier erfolgten Massenmords an 25.000 lettischen Juden.

Sally Grünewalds weiteres Schicksal ist ungeklärt. Ist er an den unmenschlichen Bedingungen im Ghetto von Riga gestorben oder ist er bei einer der Erschießungsaktionen im Wald von  Biķernieki umgebracht worden, in dem zwischen 1941 und 1944 mindestens 35.000 Juden ermordet wurden? Wir wissen es nicht.

 

 

http://db.yadvashem.org/names/nameDetails.html?itemId=3998379&language=en

http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-wetter-und-herdecke/familie-gruenewald-erlitt-tragisches-schicksal-in-herdecke-id8671192.html

http://www.museenkoeln.de/ns-dokumentationszentrum/pages/1196.aspx?s=1196&buchstabe=G